Von klein auf lernen wir am leichtesten, indem wir Dinge ausprobieren, anfassen, ansehen und erleben. Doch wenn es dann auf die Schulbank geht, ist oft Schluss damit. Dann heißt es: Ab ins Klassenzimmer, Bücher raus und stillsitzen bitte. Doch so muss es nicht laufen. Denn dank Augmented- und Virtual Reality (AR und VR) kann die reale Umwelt in den Klassen ganz einfach mit dem Smartphone oder einem Tablet erweitert werden, sodass das interaktive Lernkonzept auch hier fortgesetzt werden kann.

„Durch die zusätzlichen Visualisierungsmöglichkeiten von AR sowie VR und das dadurch entstehende interaktive Erlebnis können Themen schneller und einfacher erlernt werden“, weiß FH-Prof. DI Dr. Markus Tatzgern Leiter des Fachbereichs Mixed Reality an der FH Salzburg. Kein Wunder, denn wenn die Dinosaurier aus den Büchern lebendig werden, biologische Organe in 3D erlebbar sind oder man mitten im Klassenzimmer mit einem weißen Hai schwimmen kann, ist die Aufmerksamkeit der Schüler garantiert.

Ein sehr aktuelles Beispiel für den Einsatz von VR im Bildungswesen ist Google Expeditions. „Diese Anwendung ermöglicht es unter anderem, Ausflüge zu verschiedenen Orten und in unterschiedliche Zeitalter innerhalb des Klassenzimmers zu unternehmen“, erklärt Markus Tatzgern. Natürlich ersetzt das keine reale Exkursion, aber auf diese Weise können die Schüler beispielsweise auch Orte besuchen, die sicherlich sonst nicht zum Schulalltag gehören würden, wie die chinesische Mauer, ein Korallenriff oder auch den Mond. „Wenn das interaktive Erlebnis zusätzlich in eine Rahmenhandlung eingebettet wird, kann das die Schüler motivieren, sich mit den Inhalten stärker auseinanderzusetzen, was wiederum den Lernerfolg steigert“, so Markus Tatzgern.

Bücher, Tafelbilder und Landkarten wird man aber auch weiterhin in Schulen vorfinden. AR kann optimal mit dem vorhandenen Lehrmaterial kombiniert werden und ist eine hilfreiche Unterstützung, um Dinge verständlich darzustellen. Lehrbücher und Landkarten können auf diese Weise zum Beispiel multimedial aufbereitet werden. „Anders als bei VR taucht man beim Einsatz von AR nicht komplett in die virtuelle Welt ab. Mit AR kann somit wie gewohnt kollaborativ in Gruppen gearbeitet werden“, erklärt der Experte.

Wann geht’s los? Das System und die Technik von AR und VR ist inzwischen so ausgereift, dass sie im Grunde sofort in den Schulen eingesetzt werden könnten. Ein wichtiger nächster Schritt ist die Entwicklung pädagogischer Konzepte in die AR und VR sinnvoll integriert werden. „Das Potenzial von AR und VR im Unterricht ist wirklich groß“, weiß Markus Tatzgern. „Daher rechne ich fest damit, dass es sich früher oder später fest im Bereich des Bildungswesens etablieren wird.“