Interview mit Dr. Thies Pfeiffer

Dr. Thies Pfeiffer ist Experte am Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC), Universität Bielefeld. In seiner Forschung befasst er sich bereits seit 2003 mit künstlichen Kommunikatoren und künstlicher Intelligenz. Ein besonderes Hauptaugenmerk seiner Forschung liegt auf dem Bereich Augmented Reality – also der technisch unterstützten Erweiterung der Realität. Diese Technologie erlaubt es die mit den eigenen Sinnen wahrgenommene Realität durch technische Geräte zu ergänzen und zu erweitern. Eines der wohl bekanntesten Beispiele für die Erweiterung der Realität ist GoogleGlass.

Augmented Reality Rocks: Bislang scheint der Nutzen von Augmented Reality vor allem noch in der Faszination des technisch Neuen zu liegen. Wann wird die Technologie aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sein?

Dr. Thies Pfeiffer: Augmented Reality – kurz AR – gibt es schon seit über einem Jahrzehnt, nur waren bislang die notwendigen Zugangsgeräte, sprich hochauflösende Bildschirme mit Kameras und genügend Rechenleistung und Grafik-Power, nur ausgewählten Personen zugänglich. Heute haben die meisten ein solches Gerät in der Tasche. Die Technologie ist also gar nicht mehr die Frage, sondern der Mehrwert von Augmented Reality.

Augmented Reality Rocks: Welchen Mehrwert bietet Augmented Reality?

Dr. Thies Pfeiffer: Erst einmal geht es darum, digitale Inhalte möglichst einfach verfügbar zu machen. Suchmaschinen im Internet sind unter anderem deshalb so beliebt, weil sich URLs einfach so schlecht merken lassen. Ist man mobil unterwegs, haben sich mittlerweile die sogenannten QR-Codes etabliert, die es einem zumindest ersparen, die URLs oder eine Suchanfrage einzutippen. Die digitalen Inhalte sind dann aber, nachdem der Link einmal geladen ist, entkoppelt vom aktuellen Kontext.

Typische AR-Anwendungen lösen also zwei Probleme auf einmal: Erstens können sie direkt auf digitale Inhalte zugreifen und benötigen dazu nicht einmal einen QR-Code. Zweitens werden die digitalen Inhalte dann direkt mit dem Kontext verknüpft: Bewegt man sein Handy auf einen neuen interessanten Punkt, werden gleich passgenau die entsprechenden digitalen Daten aktualisiert. Schnell und intuitiv. Das manuelle Übersetzen und Suchen auf einer Webseite entfällt.

AR-Anwendungen spielen weitere Vorteile aus, wenn es um die Betrachtung von 3D-Inhalten geht, also z. B. Konstruktionsdaten oder medizinische Daten. Das Augmented Reality Gerät wirkt dann wie ein magisches Vergrößerungsglas, mit dem man ganz einfach den Raum explorieren kann. Das ist für den normalen Nutzer deutlich intuitiver als die Bedienung eines CAD-Programms. Schließlich kann man sich im normalen Raum frei in allen Richtungen bewegen, während man auf dem Bildschirm Klimmzüge machen muss, um durch mehr als zwei Dimensionen zu navigieren. Hier verliert man schnell die Orientierung, während wir uns im Raum normalerweise sehr selbstsicher und gezielt bewegen sowie orientieren können.

Augmented Reality Rocks: In welchen Bereichen kommt Augmented Reality momentan am häufigsten zum Einsatz?

Dr. Thies Pfeiffer: Aktuell sind das wohl die Bereiche Entertainment und Marketing. Vereinzelt gibt es auch schon Einsätze in der Industrie, z. B. für Training oder Qualitätskontrollen, dann aber meistens mit spezieller Hardware.

Augmented Reality Rocks: Wie lässt sich Augmented Reality als Marketinginstrument nutzen?

Dr. Thies Pfeiffer: Augmented Reality hat in meinen Augen das Potenzial, die digitale und die reale Welt noch besser zu verbinden, als dies bisher mit allen anderen Technologien möglich war. Im Marketing kann man dies dann nutzen, um Audio, Film, Animationen und alle anderen denkbaren digitalen Medien mit realen Objekten zu verknüpfen, sei es Print, Plakat, oder z. B. das eigene Wohnzimmer, in dem man schon mal virtuelle Möbelstücke ausprobieren kann.

Augmented Reality Rocks: Wo liegt das Potenzial für die Zukunft?

Dr. Thies Pfeiffer: Der Zugang zur erweiterten Realität mittels Smartphone oder Tablet ist erst der Anfang. Andere Technologien werden den Übergang noch einfacher machen. Größter Nachteil der aktuellen Technologien sind meiner Meinung nach, dass man stets eine Hand gebunden hat und nur ein relativ kleines Fenster in die virtuelle Welt hat. SmartGlasses könnten hier mehrere Vorteile bringen, solange sie gesellschaftlich akzeptiert werden. Google Glass ist da relativ unglücklich mit einem völlig falschen Schwerpunkt am Markt aufgetreten. Die Akzeptanz solch neuer Technologien wird nur durch flächendeckend nützliche Funktionalität erreicht werden können. Zum Beispiel, wenn eine SmartGlass einem kleingeschriebene Texte vorlesen oder wesentliche Inhalte zusammenfassen könnte. Quasi eine Brille 2.0. Das wäre eine Funktionalität, die sich mit Augmented Reality Techniken leicht umsetzen lässt, aber vielen Menschen im Alltag eine Erleichterung bringt.

Augmented Reality Rocks: Wie weit ist derzeit die Forschung auf dem Gebiet von Augmented Reality?

Dr. Thies Pfeiffer: Da gibt es sehr unterschiedliche Schwerpunkte. Ursprünglich liegt der Fokus der Forschung im Bereich Augmented Reality auf der möglichst realistischen Einbettung von 3D-Objekten in eine reale Szene. Da versucht man z. B. auch die Beleuchtung und den Schattenwurf exakt zu replizieren. Viel wichtiger ist meiner Meinung nach für reale Anwendungen noch die Forschung an einer besseren Interaktion mit Augmented Reality Systemen. Aktuelle Beispiele, wie die Microsoft HoloLens, gehen dabei schon in die richtige Richtung.

Augmented Reality Rocks: Kannst Du Dir vorstellen, dass wir in ein paar Jahren alle mit Spezial-Brillen auf der Nase rumlaufen, durch die wir auf der Restaurantfassade Menübewertungen oder ähnliches sehen können?

Dr. Thies Pfeiffer: Diese Brillen werden dann kaum mehr zu unterscheiden sein von den heutigen Brillen die rein der Erweiterung der natürlichen Sehfähigkeit dienen. Es wird quasi die Wahrnehmung erweitert, so dass man auch digital verortete Inhalte wahrnehmen wird. Ob wir ein Plakat an die Wand kleben oder denselben Inhalt nur digital an derselben Stelle einblenden, wird dann für uns keinen Unterschied mehr machen.

Augmented Reality Rocks: Glaubst Du, dass Datenbrillen grundsätzlich massentauglich sind?

Dr. Thies Pfeiffer: Aktuell sind wir davon noch weit entfernt. Einige wenige dezente Brillen, wie die J!NS MEME, zeigen die Richtung, sind technisch aber noch auf das Smartphone angewiesen, um Informationen darzustellen.

Augmented Reality Rocks: Wie könnte Apple die Augmented Reality Technologie in Zukunft nutzen?

Dr. Thies Pfeiffer: Derzeit scheint es noch so, als hätte Apple einige Trends verschlafen. Weder im Bereich Virtual Reality noch im Segment Augmented Reality haben sie offiziell etwas im Angebot. Allerdings gibt es einige interessante neue Patente von Apple und auch ihr Akquise-Verhalten der letzten Jahre zeigt, dass man sich intern durchaus mit dem Thema beschäftigt. Von Brillen scheinen sie jedoch, wenn man Jony Ive glauben darf, nicht viel zu halten. Ich bin da wirklich gespannt. Da es Apple meiner Meinung nach eher um die Entwicklung von Vertriebskanälen geht, wäre eine logische Richtung die digitale Ergänzung des Retails, z. B. für Kleidung, Möbel, etc. sowie digitale Serviceleistungen, vom Rezept bis zur Bau- oder Reparaturanleitung.

Augmented Reality Rocks: Vielen Dank, dass Du Dir Zeit für dieses Interview genommen hast.